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Bau einer Schlangenfreianlage - Teil III: Erfahrungen
Nun ist sie also fertig, meine Schlangenfreianlage. Ich sitze an
einem friedlichen Sonntag Morgen mit meiner Familie und meinen 20 Schlangen
beim Frühstück auf der Terrasse. Alle Anwesenden genießen die Wärme der frühen
Sonnenstrahlen. Die Plätze unmittelbar an der Frontscheibe des Terrariums sind
immer heiß umkämpft; nur ich habe meinen Stammplatz sicher. Wie schon so oft
bleibe ich nach dem Frühstück noch eine ganze Weile vor meiner Freianlage sitzen
und genieße das Resultat meiner mühevollen und schweißtreibenden Arbeit.
Sicherlich: Nicht alles wurde perfekt. Erfahrungen ergeben sich eben erst aus
der Praxis. Im Folgenden möchte ich einige davon berichten. Ich möchte aber
schon an dieser Stelle betonen, dass eine Schlangenfreianlage mehr ist als nur
eine "sinnvolle" Ergänzung zum Zimmerterrarium. Mir eröffnete sie
eine neue Dimension im Verständnis meiner Schlangen.
Handhabung der Anlage
Die ersten Erfahrungen mit meiner neuen Anlage sammelte ich auf
der technischen Ebene. Es stellte sich rasch heraus, dass ich die Höhe der
Umrandung mit 90 cm sehr großzügig bemessen hatte. Selbst bei mir als groß
gewachsenem Menschen wurde es beim Überqueren dieser Barriere im Schritt recht
eng. Meine Frau konnte die Anlage ohne Trittstufen nie begehen. Bei einem
Besatz mit Vertretern der Gattungen Thamnophis oder Natrix sollte
eine Höhe von 80 cm auch ausreichend sein. Sie nur aus
"Sicherheitsgründen" um weitere 10 cm zu erhöhen bringt nur negative
Effekte mit sich.
Die Freianlage erwies sich als äußerst pflegeleicht. Außer den
bei schönem Wetter wöchentlichen Fütterungen war kaum etwas zu tun. Als meiste
Arbeit erwies sich aufgrund des trockenen Standortes das Gießen während der
heißesten Wochen des Jahres. Mit dichter werdender Pflanzendecke kamen auch 3-4
gärtnerische Eingriffe pro Jahr hinzu, denn ich wollte nicht alle Steinmauern
von Pflanzen überwachsen lassen. Besonders das Efeu musste regelmäßig in Schach
gehalten werden. Es drohte auch als einziges zur Ausbruchshilfe für die
Insassen zu werden, indem es von innen an den Scheiben hoch wuchs. Ansonsten
sind gärtnerische Eingriffe aber auch Geschmackssache. Der Teich veralgte
aufgrund seiner Tiefe kaum. 1-2 mal im Jahr schnitt ich einige Wasserpflanzen
zurück. Im Hochsommer wurde einige wenige Male Leitungswasser aufgefüllt.
Während der Ferien erfuhr die Freianlage die gleiche Pflege wie der Rest des
Gartens (nur Gießen).
Die Größe der Anlage von 3,5x2 m und ihre stark strukturierte
Innengestaltung erwiesen sich als ausreichend für 20 Schlangen (wohl auch noch
mehr). Wesentlich kleiner hätte die Anlage jedoch nicht sein dürfen, da sonst
die mir wichtige starke Differenzierung nach Kleinstbiotopen im Innenraum kaum
noch möglich gewesen wäre. Die Abdeckung der Anlage als Schutz vor Raubfeinden
mittels zweier Netze, die in je einen Holzrahmen von 1,75x2 m gespannt waren,
erwies sich als effektiv. Außerdem war sie leicht und schnell zu entfernen.
Probleme gab es lediglich bei starkem Schneefall. Der nasse und schwere Schnee
blieb auf den Netzen liegen und bog sie so stark durch, dass sie zu reißen
drohten. Die Abdeckung konnte nur durch ein vorsichtiges Abschütteln des
Schnees gerettet werden. Abdeckungen aus Drahtgeflecht sind in diesem Punkt
möglicher Weise weniger empfindlich.
Temperaturmessungen
Im ersten Betriebsjahr meiner Schlangenfreianlage interessierte
mich besonders, welche Temperaturen die Tiere zu welchen Zeitpunkten
aufsuchten. Ich unternahm zahlreiche Einzelmessungen sowie ganze Messreihen mit
Funkthermometern, Geräten mit kabelgebundenen Messfühlern oder ganz einfachen
Temperaturmessern; fast alle Thermometer waren mit einer
Minimum-Maximum-Funktion versehen.
Messungen der Extremwerte ergaben von August 1999 bis März 2000
für die Lufttemperatur 33,00 C (Tag) und -11,00 C
(Nacht). Für die direkten Beobachtungen waren jedoch einige Einzelwerte
wesentlich bedeutsamer. So konnte ich im Winter 1999/2000 bereits am 31.1.2000
eine Tageshöchsttemperatur von 11,90 C messen und auch nachts sanken
die Werte der Lufttemperatur nicht unter 9,30 C. Im Februar blieb es
tagsüber bereits während einer ganzen Woche über 100 C warm.
Interessant war, die jeweilige Reaktion der Temperatur im Überwinterungsquartier
in 60 cm Tiefe zu beobachten, wo sicherlich die meisten meiner Tiere den Winter
verbracht haben dürften. Es ergaben sich in 60 cm Tiefe von August bis März ein
Maximalwert von 22,30 C und ein Minimalwert von 8,20 C.
Es stellte sich weiter heraus, dass in dieser Tiefe keine großen
Temperatursprünge zu verzeichnen waren. Innerhalb von 24 h waren keine größeren
Differenzen als 0,60 C Erwärmung und -1,50 C Abkühlung
festzustellen. An der Oberfläche des Hibernaculums dürften die Schwankungen
sicherlich deutlicher ausgefallen sein, an dessen Boden in 1 m Tiefe hingegen
vermute ich die Temperaturwerte noch konstanter. Wie die ausnahmslos
erfolgreichen Überwinterungen zeigen, scheinen die Tiere mit diesen Werten gut
zurecht gekommen zu sein. Von der Möglichkeit, das Überwinterungsquartier
beheizen zu können, habe ich bislang noch keinen Gebrauch gemacht.
Am einem sonnigen Tag im August 1999 führte ich eine
Temperaturmessreihe an 18 verschiedenen Messpunkten innerhalb und außerhalb des
Schlangenfreiterrariums durch. Dabei wurden zwischen 5.00 und 23.00 Uhr alle 2
Stunden sämtliche Temperaturdaten festgehalten. Es stellte sich z.B. heraus,
dass die Temperatur im Überwinterungsquartier trotz extremer Unterschiede der
Lufttemperatur von 14,90 C bis 33,00 C im Tagesverlauf
lediglich um 0,20 C schwankte. Die Oberflächentemperaturen des
dunkelbraunen Rindenmulches lagen mit maximal 44,30C etwas über dem
der helleren Kalksteine mit 42,30 C. Für die Schlangen an
Sommertagen am wichtigsten waren wohl die Temperaturen auf und in den
zahlreichen Steinmauern. Die Oberflächentemperaturen schwankten zwischen 15,40
C und 42,30 C, die Werte im Innern der Steinmauern waren hingegen
mit 18,60 C und 27,50 C deutlich ausgeglichener. Im Teich
schwankten die Temperaturen an der Oberfläche mit 20,40 C bzw. 27,20
C recht stark, wohingegen am Grund in 1 m Tiefe mit 21,10 C bzw.
21,90 C lediglich geringe Unterschiede festzustellen waren. Weitere
Messdaten sowie eine ausführlichere Auswertung sind in Vorbereitung (HALLMEN 2001).
Pflege der Schlangen
Der Besatz der Freianlage mit neuen Schlangen erfolgte immer nur
während der warmen Monate von Mai bis September. Die Tiere sollten die Anlage
vor einer anstehenden Winterpause erst ausreichend kennenlernen. Das Einsetzen
von einjährigen Jungtieren war häufig mit Problemen behaftet. Die Schlangen
verhielten sich sehr scheu und gingen zu unregelmäßig oder gar nicht an das
angebotene Futter. Einige Tiere waren nach wenigen Wochen bereits nicht mehr zu
sehen, andere musste ich entkräftet aus der Anlage fangen, um sie im
Zimmerterraium eine weitere Saison auf die Freianlage vorzubereiten. Nach
diesen Erfahrungen setzte ich in die Freianlage nur noch Tiere ein, die
mindestens zwei Jahre alt sind.
Die Fütterung erwies sich als ein noch zentraleres Ereignis als
bei der Zimmerhaltung. Nur bei dieser Gelegenheit konnte ich an warmen Tagen im
Laufe von 1-2 Stunden eine Bestandsaufnahme der im Terrarium befindlichen Tiere
machen, denn nur zu diesem Anlass waren fast alle Tiere gleichzeitig zu sehen.
Nach den wenigen fehlenden Tieren konnte dann in den folgenden Tagen gezielt
”gefahndet” werden. Auch für Fütterungen in der Freianlage gilt, dass sich
Wassernattern gerne über ein gemeinsames Futterstück ineinander verbeißen
(HALLMEN & CHLEBOWY 2000). Daher wohnte ich den Fütterungen stets
mindestens eine Stunde bei. In kritischen Fällen musste ich oft schnell
handeln, bevor die Kontrahenten z.B. in das Überwinterungsquartier verschwinden
konnten. Bei der individuellen Fütterung mittels eines Futterstabes traten
diese Probleme zwar in geringerem Maße auf, doch war mir diese Art der
Fütterung auf Dauer zu zeitintensiv. Für Tiere, die sich beim Fressen scheuer
verhielten (z.B. die Würfelnattern Natrix tessallata), beließ ich das
Futter meist über Nacht in der Freianlage. Gezieltes Jagen nach lebenden
Fischen in dem kleinen Teich konnte ich bislang noch nie beobachten. Dennoch
nahmen die Zahl der Fische stetig ab. Ich vermute, dass sich vor allem die
Ringel- (Natrix natrix) und die Würfelnattern (Natrix tessellata)
dort in unbeobachteten Momenten bedienten. Für Strumpfbandnattern sind auch von
anderen Freianlagen noch keine Beobachtungen zum Jagdverhalten bekannt
(STRATHEMANN pers. Mit. 1999).
Als schwierig erwies sich das Management der Schlangen im
Krankheitsfall. Eine an Vitamin-B-Mangel leidende Strumpfbandnatter konnte
trotzt aller Versuche erst nach zwei Wochen aus der Freianlage zur Behandlung
gefangen werden. Die Hilfe kam für sie leider zu spät. Auch einer der scheueren
Ringelnattern (Natrix natrix) konnte ich bei ihrer Legenot erst nach
einigen Tagen - aber in diesem Falle noch rechtzeitig - helfen. Die bislang 3
Geburten von Thamnophis sirtalis semifasciatus in der Anlage erfolgten
alle erst im September und damit um einiges später als ich dies von der
Zimmerhaltung her gewohnt war. Die Jungtiere waren nur während der ersten
beiden Tage zu sehen und verschwanden dann, sofern ich sie nicht zuvor aus der
Anlage fangen konnte. Einige könnten morgens über die zu dieser Jahreszeit
schon taufeuchten Scheiben entkommen sein. BOL (pers. Mit. 2000) berichtet,
dass einige seiner Jungschlangen in der Anlage überwinterten. Da sie nicht an
das angebotene Futter gingen, vermutet er Schnecken und andere Kleintiere in
der Analge als Nahrungsgrundlage. Zusätzliche Wärmequellen in Form einer
Heizung im Überwinterungsquartier, einer Wärmelampe oder der von STRATHEMANN
(2000) beschriebenen Folienheizung waren in meiner Anlage bislang nicht
notwendig. Hierfür mag der für Trockenheit sorgende sandige Boden sowie die
geschützte Lage im Windschatten unseres Hauses verantwortlich sein.
Beobachtungen
Die ersten Beobachtungen in der neuen Schlangenfreianlage waren
enttäuschend. Der Grund: Ich bekam meine Tiere nur sehr selten zu sehen. Was
ich schon vermutete wurde durch Mitteilungen von BOL (pers. Mit. 2000) und die
Temperaturmessungen im ersten Sommer zur Gewissheit. In den vielen Hohlräumen
der Steinmauern fanden die Schlangen ihre Vorzugstemperaturen am häufigsten und
sahen keinerlei Veranlassung, diese zu verlassen. Erst mit einsetzendem
Pflanzenwachstum kamen die Tiere häufiger zum Sonnen hervor. Heute sehe ich
fast alle Tiere regelmäßig beim Sonnenbaden. Dabei sind nicht selten auch Tiere
(meist Strumpfbandnattern unterschiedlicher Arten / Unterarten) in den Kronen
der kleinen Bäumchen zu finden.
Als sehr Interessant stellten sich die Beobachtungen während des
Winters heraus. Es ist keinesfalls so, dass die Tiere für zwei, drei oder gar
mehr Monate gänzlich verschwunden sind. Ende September / Anfang Oktober erfolgte
bei mir je nach Wetterlage die letzte Fütterung der Schlangen. Ab diesem
Zeitraum waren alle Tiere deutlich seltener zu sehen. Dennoch waren sie bei
Sonnenschein bis in den Dezember hinein regelmäßig beim Sonnenbaden zu
beobachten. Lediglich für 4-6 Wochen waren überhaupt keine Tiere in der Anlage
zu sehen. Doch dies richtete sich stark nach den Witterungsbedingungen. So
konnte ich bei 10,90 C bereits am 7.2.2000 mehrere melanistische
Tiere der Gewöhnlichen Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis sirtalis)
beobachten. Am 26.2.2000 herrschten sogar nur 6,80 C Lufttemperatur
als sich die selben Tiere auf Steinen sonnten. Auch im März waren zahlreiche
Schlangen zu manchen Zeitpunkten bereits aktiv. Unterschiede der Arten /
Unterarten sind nicht eindeutig abzusichern. Dennoch waren die melanistischen
Exemplare der Gewöhnlichen Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis sirtalis)
diejenigen, die die kürzeste Ruhephase zu haben schienen, die Westliche
Bändernatter (Thamnophis proximus proximus) sowie die Karierte Strumpfbandnatter
(Thamnophis marcianus marcianus) blieben vergleichsweise lange in ihren
Winterverstecken. Die härteste Zeit des Winters scheinen meine Tiere alle in
dem dafür vorgesehenen Überwinterungsquartier zu verbringen - zumindest konnte
ich keine anderen Beobachtungen machen.
Im Frühjahr und Herbst lagen die Schlangen am ausgiebigsten in
der Sonne. Sie verhielten sich dann auch nicht ganz so scheu wie im Hochsommer.
Daher sind diese Zeitpunkte für Fotografen am günstigsten. Einzelne Tiere
entwickelten im Laufe der Zeit sowohl beim Sonnen als auch beim Verstecken
"Stammplätze”. Im Sommer viel auf, dass nach Gewittergüssen oder nach dem
Gießen der Anlage fast alle Tiere aus ihren Verstecken kamen und sich aktiv
durch die Freianlage bewegten. Sie schienen die Feuchtigkeit regelrecht zu
genießen. Paarungen konnte ich bislang nur im Frühjahr beobachten.
Herbstpaarungen, wie z.B. von STRATHEMANN berichtet (pers. Mitt. 2000), konnte
ich in meiner Anlage nicht feststellen. Ausbruchsversuche erwachsener Tiere
waren nach den ersten Tagen der Eingewöhnung nicht mehr zu beobachten.
Lediglich die neugeborenen Schlangen ließen sich durch nichts beim Verlassen
der Anlage via feuchte Scheiben aufhalten. Mit regelmäßiger morgentlicher
Kontrolle konnte ihr Vorhaben jedoch meist vereitelt werden.
Eignung
der Arten
Die in meiner Freianlage gehaltenen Schlangenarten / -unterarten
erwiesen sich alle als tauglich für eine ganzjährige Haltung im Freien. Bei der
Ringelnatter (Natrix natrix) und der Würfelnatter (Natrix tessellata)
waren als einheimische Arten auch kaum Probleme zu erwarten. Da ich manche
zuvor im Terrarium jedoch nicht an tote Fische als Futter hatte gewöhnen
können, waren lebende Fische in dem kleinen Teich Voraussetzung zur
Nahrungsversorgung dieser Tiere. Die Vergesellschaftung von Natrix-Arten
mit Strumpfbandnattern erwies sich als problemlos.
Den Schwerpunkt bildeten in meiner Anlage jedoch
Strumpfbandnattern der Gattung Thamnophis. 3 Unterarten der Gewöhnlichen
Strumpfbandnatter Thamnophis sirtalis (Thamnophis sirtalis sirtalis,
Thamnophis sirtalis semifasciatus, Thamnophis sirtalis parietalis)
sowie melanistische Tiere von Thamnophis sirtalis sirtalis schienen sich
in der Anlage sehr wohl zu fühlen. Sie waren regelmäßig beim Sonnen und Fressen
zu beobachten und zeigten sich wenig scheu. Ich kann alle 3 Arten sowie die
melanistische Farbform uneingeschränkt für eine ganzjährige Haltung im Freiland
bestätigen. Mit der Nordwestlichen Strumpfbandnatter (Thamnophis ordinoides)
sowie Butlers Strumpfbandnatter (Thamnophis butleri) liegen mir noch
keine persönlichen Erfahrungen in der Freianlage vor. Doch ihnen scheint nach
Aussagen befreundeter Terrarianer (z.B. BOL pers. Mit. 2000) der ganzjährige
Aufenthalt im Freien ebenso gut zu bekommen. Es wird sogar diskutiert, ob die
bis dato vergleichsweise geringen Zuchterfolge z.B. bei Thamnophis
ordinoides in Zimmertarrarien auf eine nicht ausreichende Winterpause
zurückzuführen sind (CHLEBOWY pers. Mit. 2000). Demzufolge könnte die
Freilandhaltung bei dieser Strumpfbandnatter sogar zu besseren Erfolgen bei der
Nachzucht führen.
Für die Westliche Bändernatter (Thamnophis proximus proximus)
und die Karierte Strumpfbandnatter (Thamnophis marcianus marcianus)
liegen mir bislang positive Erfahrungen bei ganzjähriger Haltung in der
Freianlage vor (HALLMEN 2000). Bei beiden kommt es jedoch noch mehr als bei den
bislang genannten Arten darauf an, aus welcher Region bzw. Höhenlage die Tiere
oder ihre Vorfahren stammen. Wenn keine genetische Disposition zur Überwinterung
in kälteren Klimaten vorliegt, so sind diese Arten sicherlich nur über sehr
milde Winter in der Freianlage zu halten. STRATHEMANN (2001) kommt aufgrund
jahrelanger Erfahrung zumindest für Thamnophis marcianus marcianus zu
der Erkenntnis, dass diese Art nicht für eine ganzjährige Haltung im Freien
geeignet sei. Wie die meisten Strumpfbandnattern kann sie aber problemlos
während der wärmeren Jahreszeit eine Schlangenfreianlage bereichern.
Weitere Erfahrungen
Ein mir sehr wichtiger Punkt war die positive Akzeptanz der
Schlangenfreianlage in der unmittelbar an unseren Garten angrenzenden
Nachbarschaft. Nachdem sie bereits in der Vorbereitungsphase mit in die Planung
einbezogen worden waren (vgl. Reptilia 26, S. 65), waren alle Nachbarn schnell
Fans des Freiterrariums. Über einen Flechtzaun hinweg machten auch sie viele
interessante Beobachtungen an meinen Schlangen. Besonders um die regelmäßige
Bekanntgabe der Füttertermine waren die Nachbarn dankbar. Die Skepsis, dass
eventuell doch Tiere entkommen könnten, war schnell ausgeräumt.
Als äußerst wichtig erwies sich auch die Möglichkeit, die
Schlangen aus bequemer Warte auch über längere Zeit beobachten zu können. Da
die Freianlage in meinem Fall ein Teil der Gartenterrasse bildete, hatte ich
alle Optionen: Je nach Wahl des Mobiliars konnte ich in der Gesellschaft meiner
Tiere Frühstücken, in Ruhe schmökern oder gar ein Nickerchen machen. Auch alle
unsere Gäste wussten die Besonderheit unserer Terrasse zu schätzen und danach
befragt wollten die meisten lieber ”oben bei den Schlangen” Kaffee trinken als
unten im Garten.
Fazit
Ich möchte meine Schlangenfreianlage auf keinen Fall mehr missen. Sie gewährt mir Einblicke in das Verhalten meiner Tiere, die ich ohne sie niemals hätte erfahren dürfen. Jedem Schlangenhalter, der die Möglichkeit zum Bau einer Freianlage für Schlangen hat, kann ich nur raten, die Gelegenheit zu nutzen. Es lohnt sich!
Dank
Ich danke den Herren Steven BOL, Jürgen CHLEBOWY und Udo
STRATHEMANN für zahlreiche hilfreiche Hinweise.
Literatur:
HALLMEN, M. (2000): Thamnophis marcianus marcianus über
Winter in der Freianlage. - The Garter Snake, 4/00: 33.
HALLMEN, M. (2001): Temperaturmessungen in einer
Schlangenfreianlage. - The Garter Snake, 2/01: in Vorbereitung.
HALLMEN, M. & CHLEBOWY, J. (2000): Strumpfbandnattern. -
Natur- und Tier-Verlag: im Druck. Münster.
STRATHEMANN, U. (2000): "Die Folienheizung” - Eine einfache
und preiswerte Möglichkeit zur Wärmeergänzung für Schlangenfreianlagen. - The
Garter Snake, 4/00: 26-29.
STRATHEMANN, U. (2001): Leserbriefe - Zum Beitrag: "Thamnophis
marcianus marcianus über Winter in der Freianlage" von Martin HALLMEN
in THE GARTER SNAKE 4/00, Seite 33. - The Garter Snake, 1/00: (siehe dieses
Heft).
Abstract:
Several
experiences with an outdoor terrarium for snakes are given. They concern the
technical aspects, some data about the temperature in the tank, all work to
keep the snakes healthy, observations on the behavior of the snakes, the
suitability of the snake genus, species or subspecies and other experiences for
example with the neighbors. As a result the building of an outdoor terrarium
for snakes could be recommended.
Published under: HALLMEN M.
(2001): Bau einer Schlangenfreianlage - Teil III: Erfahrungen. - THE GARTER
SNAKE, 1/01: 16-25.
© 2003 by Martin Hallmen